Pflanzengerbung


Vegetabilgerbung, Lohgerbung, Altgerbung, Grubengerbung, Altgrubengerbung, Rotgerbung

Abbildung einer vegetabil gegerbten Lederjacke


Die Pflanzengerbung kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie ist seit über 5000 Jahren bekannt und war lange Zeit die Hauptgerbart.

Bei der vegetabilen Gerbung kommen pflanzliche Gerbstoffe zum Einsatz, um die Tierhäute haltbar zu machen. Hierfür eignen sich nur Pflanzen, die Tannine produzieren. Tannine sind pflanzeneigene natürliche Gerbstoffe. Die gebräuchlichsten sind Eichen- oder Mimosarinde, Taraschoten, Quebrachoholz oder Olivenblätter. Die Tierhäute werden in Gruben oder Fässern mit der Gerbbrühe gegerbt.

Die Tannine stabilisieren die Haut und machen sie widerstandsfähiger gegen Verfall, wodurch ein langlebiges, robustes Leder entsteht. Es ist weich im Griff und entwickelt im Laufe der Zeit eine angenehme Patina. Pflanzlich gegerbte Leder erkennt man meist an der braunen Durchfärbung.

Die vegetabile Gerbung ist vergleichsweise aufwendig: Der Gerbprozess dauert lange, je nach Verfahren einige Tage (Fassgerbung) bis mehrere Monate (Grubengerbung). Bis zu 30 kg Rinde oder 20 kg Früchte werden benötigt, um eine einzige Haut zu gerben. 

Geschichte der pflanzlichen Gerbung

Die pflanzliche Gerbung gehört zu den ältesten Lederherstellungsmethoden der Welt. Historische Funde, darunter ein Sarkophag mit Verzierungen, deuten darauf hin, dass diese Gerbtechnik bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. in Ägypten bekannt war. Aus dem Fund von "Ötzi" im Eis der Tiroler Alpen lässt sich schließen, dass schon vor rund 5.000 Jahren Leder für verschiedene Verwendungszwecke hergestellt wurde. Ötzi trug einen Gürtel aus Kalbsleder mit angenähter Tasche. Da die pflanzliche Gerbung anscheinend in mehreren Kulturen unabhängig voneinander entstanden ist, lässt sich kein eindeutiger Ursprung bestimmen. Es wird angenommen, dass Zivilisationen wie Ägypten, Griechenland, Rom und Indien Techniken der pflanzlichen Gerbung entwickelten.

Im europäischen Mittelalter wurden Bäume wie Stieleiche, Fichte und Kastanie in sogenannten Lohwäldern kultiviert, um sie für die Gerberei zu verwenden. Die tanninhaltige Rinde wurde mit einem Lohlöffel (vom mittelhochdeutschen Wort "lo" = abreißen, schälen, löchern) abgeschält und in Lohmühlen gebracht, wo sie zur Lohe vermahlen wurde. Diese Mühlen lagen meist nahe bei Gerbereien, wo die vorbereiteten Häute in Gruben mit der Gerbbrühe versenkt wurden. Der Gerbprozess dauerte bis zu 12 Monaten.

Noch heute erinnern viele Straßen- oder Familiennamen im Deutschen daran. Rothgerberbach, Lohmarkt, Lohmühleninsel sind nur einige Beispiele. Auch Familiennamen wie Lohmann, Lohmüller, Löhrer, Loher, Luerer gehen auf dieses Handwerk zurück.

In der Gegenwart werden die Häute oft mit synthetischen Gerbstoffen vorbehandelt, um den Gerbprozess zu verkürzen. In rotierenden Fässern werden sie dann mit pflanzlichen Gerbstoffen fertig gegerbt. Trotz allem dauert die Pflanzengerbung noch immer mehrere Wochen. Da die Chromgerbung wesentlich schneller und kostensparender ist, wird der Anteil pflanzlich gegerbter Leder auf dem Markt immer kleiner. Sie machen heute nur noch 10 - 12% aller Leder aus. 

Zum Einsatz kommen pflanzlich gegerbte Leder oft für feste Leder, wie zum Beispiel hochwertige Ledersohlen. Die pflanzlichen Gerbstoffe werden stärker vom Leder aufgenommen und füllen es besser auf. Das Leder kann bis zu 45% aus Gerbstoff bestehen. Deshalb ist es schwerer und kann besser zu festem Leder verarbeitet werden. Es eignet sich auch gut um geformt, geprägt oder punziert zu werden. Auch für Taschen, Gürtel, Rucksäcke oder Pferdesättel wird es gern eingesetzt. Im höherpreisigen Segment der Modebranche wird vegetabil gegerbtes Leder ebenfalls wieder häufiger verarbeitet und im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte als Alternative zu chromgegerbtem Leder angeboten.

Grubengerbung und Fassgerbung


Gerbverfahren


Altgrubengerbung

Bei der Altgrubengerbung werden die Leder in eine Grube mit gemahlener Rinde (Lohe) gelegt, wodurch nach einigen Tagen ein gerbsäurehaltiges Bad entsteht, so daß der in der Lohe enthaltene Gerbstoff das Leder durchdringen kann. Die Haut durchläuft mehrere Bäder mit steigender Gerbstoffkonzentration (Farbengang). Danach kommen die Häute in den sogenannten "Versenk", eine dauerhafte Gerbbrühe, die regelmäßig gewechselt wird, um Auslaugen und fauliges Wasser zu verhindern. Hier verweilen die Häute ca. 12 Monate. Danach werden die Leder kurz gespült und dann langsam getrocknet. Weil bei der Altgerbung der Gerbstoff nur allmählich aufgenommen wird, ist er sehr gut an die Faser gebunden, dadurch erhält man einen guten Abriebswert und einen sehr geringen Auswaschverlust. Diese Form der Gerbung wird vor allem für Sohlenleder angewendet, da man ein sehr festes Leder erhält.


Fassgerbung

Diese Methode ist deutlich schneller und dauert nur wenige Tage bis Wochen, abhängig von Gerbstoff und Methode. Dabei kommen die Häute in große Gerbfässer mit einer konzentrierten Gerbbrühe. Die Bewegung des Fasses beschleunigt den Prozess. Oft wird erst synthethisch vorgegerbt und die pflanzliche Gerbung kommt abschließend zum Einsatz, was den Prozess noch weiter beschleunigt.

Was sind pflanzliche Gerbstoffe/Tannine?


Die pflanzlichen Gerbstoffe, die in der Gerberei verwendet werden, bestehen hauptsächlich aus Tanninen. Tannine besitzen die Fähigkeit, die Struktur von Proteinen zu verändern, zum Beispiel sie auszufällen oder zu vernetzen. In der Gerberei wird so aus Tierhaut Leder hergestellt. Nicht alle Pflanzen sind gleichermaßen als Gerbstoff geeignet, da sich der Tanningehalt unterscheidet. Tannin wird bei der Pflanze vor allem bei Stressreaktionen (etwa bei Parasitenbefall) ausgeschüttet. Weltweit gibt es mehrere 100 tanninhaltige Pflanzenarten. Die in der Lederindustrie am häufigsten zum Gerben verwendeten Pflanzen sind Quebracho, Mimosa oder Tara, die alle drei größtenteils aus Südamerika importiert werden. Global betrug der Bedarf an Vegetabilgerbstoffen im Jahr 2009 ca. 130.000 Tonnen. Auch in Europa wachsen verschiedene Pflanzen, die sich zum Leder gerben eignen:

  • Eiche
    Bei der Eiche befindet sich in der Rinde etwa 10% Gerbstoff (in älteren Bäumen nur noch 5%).
    Das mit Eiche gegerbte Leder ist hellbraun.
  • Fichte
    Fichtenrinde enthält 15% Gerbstoff, Fichtenholz nur 1%.
    Auch hier wird das Leder hellbraun.
  • Kastanie
    Kastanien können bei alten Bäumen 10% Gerbstoff im Holz erreichen.
    Das Leder ist mittelbraun und zäh.
  • Weide
    Weidenrinde hat 10% Gerbstoff und liefert gelbliches Leder.
  • Birke
    Die Rinde alter Birken enthält 10% Gerbstoff. Das Leder ist ebenfalls gelblich, weich, aber unempfindlich.
  • Olivenbätter 
    Olivenblätter eignen sich auch als Gerbstoff. Da die Blätter als Reststoff bei der jährlichen Olivenernte in den Mittelmeerländern anfallen, müssen nicht extra kostbare Ackerflächen zum Olivenanbau erschlossen werden.
  • Rhabarber 
    Die Wurzel der Rhaberberpflanze enthält auch Gerbstoffe und wird erst seit einigen Jahren zum Leder gerben eingesetzt.
  • Gallapfel 
    Er enthält 55–65 % Gerbsäure und die Knopper enthält 25–28 % Gerbstoffe. Beides sind Wucherungen an Eichen durch die Eiablage der Gallwespe. Um die Larve entstehen gerbstoffhaltige Wucherungen. Die Ursprungsländer sind Ungarn, Jugoslawien und Österreich.
  • Mimosa (Acacia mearnsii, A. decurrens, A. saligna etc.):
    Mimosarinde ist ein pflanzlicher Gerbstoff, der größtenteils in Australien, Südostasien und Südafrika gewonnen wird. Die Rinde hat mit 30% einen sehr hohen Gerbstoffgehalt. Mit Mimosarinde gegerbtes Leder ist biegsam, geschmeidig und rötlich gefärbt.
  • Quebracho (Schinopsis balansae, S. lorentzii)
    ist ein pflanzlicher Gerbstoff aus Südamerika und wächst hauptsächlich in Bolivien, Paraguay und Argentinien. Er wird aus dem Holz von Bäumen gewonnen, der Gerbstoffanteil des Holzes beträgt ca. 20%.
  • Tara (Caesalpinia spinosa)
    ist ein Pflanzengerbstoff aus Peru und Indien. Der Tarabaum oder -strauch wächst vorwiegend wild, der Gerbstoff ist in den Hülsen der Früchte bzw. in den Fruchtschoten enthalten und mit 50% Gerbstoffanteil recht hoch. Der Tara-Gerbstoff erzeugt ein cremefarbenes Leder, welches sich gut färben lässt und eine hohe Lichtechtheit besitzt. Tara-gegerbte Leder können als Autopolsterleder, Schuhleder, Möbelleder oder Bekleidungsleder verwendet werden. Auch Lammfelle werden mit Tara-Gerbstoff gegerbt.
  • Valonea (Quercus macrolepis)
    ist eine mediterrane, wildwachsende Eichenart, die vorwiegend in der Türkei und in Griechenland gedeiht. Die Eichel-Fruchtbecher haben einen Gerbstoffanteil von 30% und werden meist in der Türkei von Hand gesammelt. Das Leder wird zäh und fest.
  • Gerbersumach (Rhus coriaria)
    ist eine weitere gerbstoffhaltige Pflanze, der Tanningehalt ihrer Blätter liegt bei 13-28%. Sie wächst im mediterranen und zentralasiatischen Raum und wird bis zu 1-3 m hoch. Ihre Blätter enthalten den Reizstoff Urushiol, auf den fast 25% der Weltbevölkerung allergisch reagiert.
  • Maletto
    Malettorinde hat mit mit 46 - 49 % einen außerordentlich hohen Gerbstoffanteil. Sie stammt von einer in Westaustralien vorkommenden Eukalyptusart (Eucalyptus occidentalis), die bis zu 25 Meter hoch wächst. Die Pflanze wird kaum noch genutzt, da sie sehr selten geworden ist.

Gerbstoffe Eiche, Tarapflanze, Olive

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