Gerben
Gerbung, Gerbvorgang
Die Gerbung ist der bedeutendste Schritt in der Lederherstellung und dient der Haltbarmachung der Tierhäute (Blößen). Beim Gerbvorgang werden die Gerbstoffe von der Tierhaut aufgenommen, dadurch wird die Haut chemisch irreversibel konserviert und in Leder verwandelt.
Ohne die Gerbung würden die Häute verwesen und könnten nicht langfristig verarbeitet werden. Die Haut besteht zu rund einem Drittel aus Eiweiß (Collagen). Das Gerben führt dazu, dass die Eiweißfasern beim Trocknen nicht verklumpen oder hart werden, sondern durch die Gerbstoffe flexibel vernetzt bleiben.
Das Gerben findet in großen Gerbfässern statt, in denen die Tierhäute einweichen, bis die Gerbstoffe die Haut komplett durchdrungen haben. Der Gerbprozess kann von mehreren Stunden (Chromgerbung) bis zu mehreren Monaten (Pflanzengerbung) dauern.
Welche Gerbarten gibt es?
Die am häufigsten eingesetzten Gerbarten sind:
- Chromgerbung
Die Chromgerbung ist die am Weitesten verbreitetet Gerbmethode. Sie macht rund 85% der weltweiten Lederherstellung aus. Das chromgegerbte Leder wird hauptsächlich für Bekleidungsleder, Schuhoberleder und Polsterleder verwendet. Für die Chromgerbung werden Chrom(III)-Salze verwendet. Das Verfahren ist schnell, kostengünstig und führt zu weichem, geschmeidigem und reißfestem Leder.

- Pflanzengerbung/Vegetabilgerbung
Die Pflanzengerbung ist die am zweithäufigsten verwendete Gerbung und macht etwa 10–15 % der weltweiten Lederherstellung aus.
Hier werden die Tierhäute mit tanninhaltigen pflanzlichen Gerbstoffen wie Holz, Früchten, Rinden, Wurzeln oder Blättern gegerbt. Diese Methode ist umweltfreundlicher als die Chromgerbung, allerdings auch zeitaufwändiger und arbeitsintensiver. Um die Gerbzeit zu verkürzen wird sie oft mit der synthetischen Gerbung kombiniert.

- Synthetische Gerbung
Bei der syntethischen Gerbung werden künstlich hergestellte Gerbstoffe eingesetzt (Syntane, Aldehyde, Polymer-Gerbstoffe).
Die synthetische Gerbung wird meist als Ergänzung zu anderen Gerbarten verwendet, um deren Gerbwirkung zu optimieren. Zum Beispiel zur Verkürzung der Gerbzeit oder um bestimmte Eigenschaften im Leder zu erzielen (verbesserte Waschbarkeit, höhere Schweißbeständigkeit, spezifische Haptik, ...)

Weitere Gerbarten sind:
- Weißgerbung oder Alaungerbung
Diese Gerbart zählt auch zu den ältesten Gerbverfahren und wird meist für Felle eingesetzt. Sie findet mit Alaun (Aluminiumsulfat) und Kochsalz statt. Die Gerbung ist nicht permanent, da die Gerbstoffe durch Wasser aus dem Fell ausgespült werden können. Deshalb wird sie meist verwendet, um Dekorationsfelle, z. B. Bettvorleger, herzustellen. Die Bezeichnung Weißgerbung beruht auf der Tatsache, dass die Lederseite bei dieser Gerbart weiß wird. - Trangerbung
Die Trangerbung ist ein sehr altes Gerbverfahren. Bei dieser Gerbung wird mit tierischen Fetten gegerbt, meist Fischöl/Tran. Die Fettsäuren gerben das Leder durch Oxidation. Dadurch wird es haltbar, weich und saugfähig gemacht. Die Trangerbung wird hauptsächlich für Fenster- oder Trachtenleder eingesetzt. Das entstandene Leder nennt sich Sämischleder. Traditionell wird Trangerbung auch für Rauleder aus den Fellen von Schafen, Lämmern, Hirschen und Ziegen verwendet.
Die Farbe des Leders nach der Gerbung lässt erkennen, welches Gerbverfahren angewandt wurde:
Chromgerbung färbt das Leder silbergrau (Wet Blue), pflanzliche Gerbung färbt das Leder bräunlich, synthethische Gerbung färbt das Leder hell cremefarben (Wet White), Trangerbung färbt es gelblich, Alaungerbung färbt es weiß.
Echte und unechte Gerbung:
Man unterscheidet die echte und die unechte Gerbung. Bei der echten Gerbung gehen die Gerbstoffe eine unzertrennbare Verbindung mit den Kollagenfasern in der Tierhaut ein. Es entsteht eine permanente Bindung, das Leder wird so dauerhaft haltbar gemacht. Zur echten Gerbung gehört die Chromgerbung, die Pflanzengerbung und die synthetische Gerbung.
Bei der unechten Gerbung gehen die Gerbstoffe eine instabile, auswaschbare Verbindung mit der Hautfaser ein und können wieder ausgetrennt werden. Das kann durch Umwelteinflüsse wie Hitze, Nässe und UV-Strahlung geschehen, nach dem Kontakt mit Wasser verhärtet sich das Leder oft. Zu den unechten Gerbarten gehören die Weißgerbung und die Trangerbung.