Synthetische Gerbung
Die synthetische Gerbung ist ein Verfahren, bei dem künstlich hergestellte Gerbstoffe (aromatische Syntane) zur Herstellung von Leder verwendet werden.
Es werden selten nur synthetische Gerbstoffe isoliert verwendet. Die synthetische Gerbung wird oft in Kombination (Kombinationsgerbung) mit der Chromgerbung oder der Pflanzengerbung eingesetzt, um bestimmte Lederqualitäten wie Waschbarkeit zu erreichen. Bei der Chromgerbung sorgen sie für eine bessere Fülle des Leders.
Nach der synthetischen Gerbung ist das Leder nass und ungefärbt oft hell, man nennt es deshalb "Wet White".
Rein synthetisch gegerbtes Leder ist empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und Hitze. Synthetisch gegerbte Leder schrumpfen schon ab einer Temperatur von 75°C.
Synthetische Gerbstoffe
Synthetische Gerbstoffe, auch aromatische Syntane genannt, werden künstlich bzw. chemisch aus leicht zugänglichen Rohmaterialien hergestellt. Der erste künstlichen Gerbstoff (Neradol C) wurde im Jahre 1911 von Professor Stiasny erfunden. Beispiele für synthetische Gerbstoffe sind:
- Formaldehyd
- Glutaraldehyd
- Phenole
- Acrylate
Jährlich werden ca. 200.000 Tonnen an synthetischen Gerbstoffen produziert. Synthetische Stoffe sind nicht organisch abbaubar, aber die Umweltbelastung ist geringer als bei Chromsalzen. Synthetische Gerbstoffe gehören heute fest zum Arbeitsalltag in der Lederherstellung, gleichgestellt mit pflanzlichen Gerbstoffen. Das Angebot an synthetischen Gerbstoffen ist breit gefächert und eröffnet zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten.
Einsatzbereiche synthetisch gegerbter Leder
- Hilfsmittel bei anderen Gerbverfahren, um dem Leder bestimmte Eigenschaften zu verleihen, z.B. mehr Fülle bei der Chromgerbung oder eine Verkürzung der Gerbzeit bei Vegetabilgerbung.
- Schuhindustrie: Orthopädische Futterleder, die besonders feuchtigkeitsabsorbierend sind.
- Automobilindustrie: Ca. 50% der Autoleder sind synthetisch gegerbt, da sie dadurch eine bessere UV-Beständigkeit bekommen. Problematisch kann jedoch Feuchtigkeit oder Nässe im Auto werden. Kommt ein Cabrio in den Regen, oder bleibt ein nasses Handtuch oder Kleidungsstück zu lange auf dem Leder liegen, zieht Feuchtigkeit in das Leder. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird das feuchte Leder heiß und das im Leder enthaltene Wasser kocht. Da synthetisch gegerbtes Leder Temperaturen über 75°C nicht verträgt, verhärtet und schrumpft es dann.

- Medizin: Die Relugangerbung, bei der mit Glutaraldehyd gegerbt wird, macht Felle waschbar und pflegeleicht. Dadurch sind sie im medizinischen Bereich einsetzbar, z.B. für medizinische Anwendungen und Fellartikel.
Relugangerbung
Die Relugangerbung ist eine synthetische Gerbung für Tierfelle. Sie verwendet den Gerbstoff „Relugan“, ein Glutardialdehyd-Gerbstoff (entwickelt von der Firma BASF), um Felle waschbar, weich und strapazierfähig zu machen.
Da die Relugangerbung auf Formaldehyd verzichtet, gilt sie als hautfreundlich und schadstofffrei. Relugan wirkt weichmachend, füllend und stabilisiert die Wolle, was die Strapazierfähigkeit erhöht. Das macht Felle, die Relugan-gegerbt wurden, ideal für den Einsatz in der Pflege und bei sensibler Haut. Sie wird oft im medizinischen Bereich eingesetzt, für Felle als Sitz- oder Bettauflagen. Auch für Baby-Produkte eignet sie sich durch ihre hautfreundlichen Eigenschaften.
Felle, die mit Relugangerbung behandelt wurden, erkennt man an der typisch gelb-beigen Färbung der Wolle. Die feste Bindung des Gerbstoffs ermöglicht das Waschen der Felle bei bis zu 30°C im Wollwaschgang.