Lohgerbung
Altgerbung, Pflanzengerbung, Vegetabilgerbung, Altgrubengerbung, altgegerbtes Leder, lohgegerbtes Leder, lohgares Leder, Lohlöffel
Die Lohgerbung ist eine Art der Pflanzengerbung, bei der als Gerbstoff Eichenrinde eingesetzt wird. Das Wort Loh leitet sich ab vom mittelhochdeutschen Wort "lo" = abreißen, schälen, löchern. Es bezeichnet die zerkleinerte Rinde von Eichen oder Fichten, die in den Gerbereien zur Herstellung von Gerbstoff (Gerberlohe) genutzt wurde.
Im europäischen Mittelalter wurden Bäume wie Stieleiche, Fichte und Kastanie in sogenannten Lohwäldern kultiviert, um sie für die Gerberei zu verwenden. Die tanninhaltige Rinde wurde mit einem Lohlöffel abgeschält und in Lohmühlen gebracht, wo sie zur Lohe vermahlen wurde. Diese Mühlen lagen meist nahe bei Gerbereien, wo die vorbereiteten Häute in Gruben mit der Gerbbrühe versenkt wurden. Der Gerbprozess dauerte bis zu 12 Monaten.
Noch heute gehen viele Straßen- oder Familiennamen im Deutschen darauf zurück. In Köln siedelten Gerber an mehreren Wasserstellen, die Straße Rothgerberbach erinnert noch daran. Die Lohmühlen in Köln bezogen ihre Rinde über den Rheinauhafen. Ein Teil des Marktviertels nannte sich bereits im 12. Jahrhundert Lohmarkt. Ein anderes Beispiel ist die Lohmühleninsel am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg, wo seit 1750 Lohe erzeugt worden war. Auch Familiennamen wie Lohmann, Lohmüller, Löhrer, Loher, Luerer gehen auf dieses Handwerk zurück.
Es gibt nur noch wenige Gerbereien, die auf diese traditionelle Weise gerben. Die so gegerbten Leder werden vor allem für Sohlenleder verwendet, da man ein sehr festes und strapazierfähiges Leder erhält.
Altgrubengerbung
Die Lohgerbung findet meist in Gruben statt, die sog. Altgrubengerbung. Hierbei werden die Leder in eine Grube mit gemahlener Rinde (Lohe) gelegt, wodurch nach einigen Tagen ein gerbsäurehaltiges Bad entsteht, so daß der in der Lohe enthaltene Gerbstoff das Leder durchdringen kann. Die Haut durchläuft mehrere Bäder mit steigender Gerbstoffkonzentration (Farbengang). Danach kommen die Häute in den sogenannten "Versenk", eine dauerhafte Gerbbrühe, die regelmäßig gewechselt wird, um Auslaugen und fauliges Wasser zu verhindern. Hier verweilen die Häute ca. 12 Monate. Danach werden die Leder kurz gespült und dann langsam getrocknet. Weil bei der Altgerbung der Gerbstoff nur allmählich aufgenommen wird, ist er sehr gut an die Faser gebunden, dadurch erhält man einen guten Abriebswert und einen sehr geringen Auswaschverlust.
Lohlöffel
Der Lohlöffel ist ein mittelalterliches Werkzeug zur Gewinnung von Eichenrinde für die Lohgerbung. An einem Holzgriff ist eine etwa 15 cm lange, löffelförmige Metallklinge befestigt. Da die Rinde vom Baum gelöst werden musste, ohne ihn zu schädigen, war ein gewisses Geschick nötig. Der Handwerker schlug zunächst die Äste ab und machte einen zentralen vertikalen Schnitt im Stammbereich. Dann wurde die Rinde vorsichtig von innen abgeschält, möglichst als ganzes Stück. Für die Rinde weiter oben am Baum setzte man eine Lohleiter ein. Die abgeschälte Rinde hing dann ca. eine Woche mit dem oberen Rand am Baum, bevor sie ruckartig abgerissen wurde und zu Lohbündeln von ca. 40 kg Gewicht zusammengefasst wurde. Die beste Erntezeit war zeitlich eng begrenzt zwischen dem 10. Mai und 15. Juni.
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