Äschern
Der Äscher entfernt die Haare von der Rohhaut, reduziert ihren Fettanteil und bereitet sie so auf das Gerben vor. Je weicher das Leder werden soll, desto länger muss geäschert werden, da die Faserstruktur der Haut die Eigenschaften des späteren Leders maßgeblich bestimmt. Im Äscher werden Haare, Oberhaut und vorhandene Fleisch- und Fettreste gelockert und gelöst. Außerdem quellen die Hautfasern weiter auf, damit sich der Gerbstoff gut verbinden kann.
Früher wurde dieser Arbeitsschritt mit Holzasche durchgeführt. Daher kommt der Begriff "Äscher". Asche enthält Kaliumcarbonat (K₂CO₃), das sich gut in Wasser löst. Die dabei entstehende alkalische Reaktion lockert die Haare. Heute nutzt man in Europa hauptsächlich Calciumhydroxid und Natriumsulfid, was allerdings Abwässer produziert, die in betriebseigenen Kläranlagen gereinigt werden müssen. Eine alternative, umweltschonendere Methode, die jedoch arbeitsaufwändiger ist und hauptsächlich in Schwellen- und Entwicklungsländern Anwendung findet, besteht darin, eine Wasserlösung aus Kalkhydrat (4–6 %), Schwefelnatrium (2–6 %) und Enzymen zu verwenden.
Wenn die Rohhaut den Arbeitsschritt des Äscherns durchlaufen hat, bezeichnet man sie als Blöße.
Schwöden
Auch das Verfahren des Schwödens wird zur Haarentfernung eingesetzt, z. B. wenn Fell oder Wolle zur weiteren Verwendung erhalten bleiben sollen. In diesem Fall wird von der Fleischseite her eine dickflüssige Chemikalienmischung auf die Haut aufgetragen, die zur Narbenseite hin diffundiert und die Haarwurzeln löst, ohne das Haarmaterial selbst zu zerstören. Diese Haare, die nicht mechanisch durch Abschneiden sondern chemisch durch Schwöden gelöst werden, nennt man Gerberwolle.
Enthaarung
Leder kann mit oder ohne Haare nutzbar gemacht werden. Bei Pelz und Fell bleibt die natürliche Behaarung erhalten. Aber der Großteil der Häute wird in der Gerberei enthaart, da Leder ohne Haare weit mehr nachgefragt wird (z.B. für Schuhe, Gürtel, Auto- und Möbelleder).
Man unterscheidet zwei Verfahren zur Entfernung der Haare von der Haut. Das eingesetzte Verfahren hängt von der gewünschten Lederoberfläche nach der Gerbung ab. Je nach Enthaarungsart mit oder ohne Erhalt der Haare ergeben sich abweichende Ergebnisse im Narbenbild des Leders.
- Enthaaren (Mechanisches Verfahren):
Die Haare werden von der Haut gelöst, aber belassen. Die vorher angelösten Haare werden durch mechanische Kräfte von der Haut getrennt. - Auflösen der Haare (Chemisches Verfahren):
Die Haare werden durch chemische Auflösung vollständig von der Haut entfernt. Die Auflösung findet mit chemischen Substanzen wie z.B. Kalk oder Natronlauge statt. Sie dringen in die Haarstruktur ein und lösen die Proteine auf, aus denen die Haare bestehen.
Die Haare, die beim Enthaaren der Haut erhalten bleiben, können gesammelt, gereinigt und weiter verwertet werden. Was kann aus diesen Haaren hergestellt werden?
- Verarbeitung zu Bürsten, Pinseln, Besen oder Polstermaterial. Je nach Tierart und Qualität der Haare können sie auch für die Herstellung von Textilien wie Filz oder Teppichen verwendet werden.
- Aus Tierhaar kann Düngemittel hergestellt werden. Das Haar enthält Stickstoff und andere Nährstoffe, die förderlich für die Fruchtbarkeit des Bodens und das Pflanzenwachstum sind.
- Die Haare werden zu Tierfutter verarbeitet. Die Haare werden speziell behandelt, um sie verzehrbar zu machen und einen Nährwert für die Tiere zu bieten.
Die wirtschaftliche Nutzung der Haare hängt stark von der Tierart, der Qualität der Haare und den örtlichen Marktbedingungen ab.