Anilinfarbstoff


Anilinfarbstoffe werden in der Lederherstellung verwendet, um gegerbtes Leder zu färben, ohne dessen Poren zu verschließen. Bei diesem Verfahren ziehen die wasserlöslichen Farbstoffe tief in die Faser ein, die natürliche Narbenstruktur des Leders bleibt aber sichtbar. Die Anilinfarbstoffe sind transparent, weshalb man mit ihnen nur dunkler färben kann. Bei hellen Ledern wird schon bei der Gerbung drauf geachtet, dass das Leder bei der Gerbung im Querschnitt möglichst hell bis fast weiß wird. Die Farbstoffe gibt es als Pulver oder vorgelöst als Flüssigkeit. Additive können ergänzt werden, um die Leder- und Farbeigenschaften zu beeinflussen. In großen Trommeln oder Fässern werden die Häute mit den Farbstoffen durchtränkt. Der Farbstoff dringt dabei bis in die tieferen Zwischenschichten. Dann wird der Farbstoff fixiert und überschüssige Farbe wird ausgespült, damit das Leder später nicht abfärbt. 

Das so behandelte Leder heißt Anilinleder und fühlt sich weich, warm und natürlich an. Aufgrund der Transparenz der Farbe können nur fehlerfreie Häute für die Herstellung von Anilinleder verwendet werden. Das macht es zu einem der hochwertigsten Leder auf dem Markt. Nachteil ist, dass das Leder durch die Offenporigkeit anfälliger für Flecken, Schmutz und Wasser ist.

Farbmuster für Anilinfarbstoffe von BASF um 1900

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Anilinfarbstoffe als erste künstliche Farbstoffe auf Basis von Anilin, einem Nebenprodukt der Steinkohlenteer-Gewinnung, entwickelt. Sie revolutionierten die Textilindustrie durch ihre leuchtenden Farben und die einfache Verfügbarkeit, waren jedoch oft giftig oder potenziell krebserregend.

In der EU gibt es mittlwerweile sehr strenge Vorschriften und Überwachungsmaßnahmen zu ihrem Einsatz, bedenkliche Farbstoffe dürfen für Gebrauchsprodukte wie Leder gar nicht mehr verwendet werden. Heute werden weitestgehend andere synthetische Verbindungen (wie Azo- oder Anthrachinonfarbstoffe) eingesetzt, die umweltfreundlicher gesundheitsunschädlicher sind. 

Der Begriff  "Anilinleder" ist trotzdem aus der Historie heraus bestehen geblieben.

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