Was sind Gerbstoffe?
 

Tannine, Gerbsäure, Polyphenole
 

Gerbstoffe, auch Tannine genannt, sind natürliche pflanzliche Verbindungen aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe (Polyphenole). Sie kommen in der Rinde, im Holz, in Blättern und Fruchtschalen vieler Pflanzen vor und dienen dort primär als Schutz vor Fressfeinden und Krankheitserregern. Tannin wird bei der Pflanze vor allem bei Stressreaktionen (wie Parasitenbefall) ausgeschüttet. 

Zwei Gläser Rotwein auf einem Weinfass
Wo kommen Gerbstoffe vor?


Gerbstoffe (Tannine) kommen in vielen Lebensmitteln vor. Rotwein enthält eine hohe Konzentration an Tanninen. Hier spielen sie eine große Rolle für Struktur, Körper und Haltbarkeit des Weines. Die Tannine sind hauptsächlich in den Traubenhäuten, Kernen und Stielen der Weinrebe enthalten. Auch die Lagerung in Eichenfässern (Barrique) trägt zur Tanninkonzentration bei, da Eichenholz ebenfalls Gerbstoffe enthält.

Neben Wein finden sie sich in hoher Konzentration in schwarzem und grünem Tee, Kaffee, Kakao, dunkler Schokolade, Walnüssen, Hülsenfrüchten, sowie in Obstsorten wie Granatäpfeln und Beeren. 

Man kann sie schmecken, da sie ein charakteristisches pelziges, raues oder zusammenziehendes Gefühl auf der Zunge (Adstringenz) verursachen. Sie können zudem eine bittere Note aufweisen.

In der Gerberei verwendete Gerbstoffe


Gerbstoffe besitzen die Fähigkeit, die Struktur von Proteinen zu verändern, zum Beispiel sie auszufällen oder zu vernetzen. In der Gerberei wird so aus Tierhaut Leder hergestellt. Auch heute wird Leder mit pflanzlichen Gerbstoffen gegerbt (Pflanzengerbung). Nicht alle Pflanzen sind gleichermaßen als Gerbstoff geeignet, da sich der Tanningehalt unterscheidet. Weltweit gibt es mehrere 100 tanninhaltige Pflanzenarten. Die in der Lederindustrie am häufigsten zum Gerben verwendeten Pflanzen sind Quebracho, Mimosa oder Tara, die alle drei größtenteils aus Südamerika importiert werden. Auch in Europa wachsen verschiedene Pflanzen, die sich zum Leder gerben eignen:

  • Eiche
    Bei der Eiche befindet sich in der Rinde etwa 10% Gerbstoff (in älteren Bäumen nur noch 5%).
    Das mit Eiche gegerbte Leder ist hellbraun.
  • Fichte
    Fichtenrinde enthält 15% Gerbstoff, Fichtenholz nur 1%.
    Auch hier wird das Leder hellbraun.
  • Kastanie
    Kastanien können bei alten Bäumen 10% Gerbstoff im Holz erreichen.
    Das Leder ist mittelbraun und zäh.
  • Weide
    Weidenrinde hat 10% Gerbstoff und liefert gelbliches Leder.
  • Birke
    Die Rinde alter Birken enthält 10% Gerbstoff. Das Leder ist ebenfalls gelblich, weich, aber unempfindlich.
  • Olivenbätter 
    Olivenblätter eignen sich auch als Gerbstoff. Da die Blätter als Reststoff bei der jährlichen Olivenernte in den Mittelmeerländern anfallen, müssen nicht extra kostbare Ackerflächen zum Olivenanbau erschlossen werden.
  • Rhabarber 
    Die Wurzel der Rhaberberpflanze enthält auch Gerbstoffe und wird erst seit einigen Jahren zum Leder gerben eingesetzt.
  • Gallapfel 
    Er enthält 55–65 % Gerbsäure und die Knopper enthält 25–28 % Gerbstoffe. Beides sind Wucherungen an Eichen durch die Eiablage der Gallwespe. Um die Larve entstehen gerbstoffhaltige Wucherungen. Die Ursprungsländer sind Ungarn, Jugoslawien und Österreich.
  • Mimosa (Acacia mearnsii, A. decurrens, A. saligna etc.):
    Mimosarinde ist ein pflanzlicher Gerbstoff, der größtenteils in Australien, Südostasien und Südafrika gewonnen wird. Die Rinde hat mit 30% einen sehr hohen Gerbstoffgehalt. Mit Mimosarinde gegerbtes Leder ist biegsam, geschmeidig und rötlich gefärbt.
  • Quebracho (Schinopsis balansae, S. lorentzii)
    ist ein pflanzlicher Gerbstoff aus Südamerika und wächst hauptsächlich in Bolivien, Paraguay und Argentinien. Er wird aus dem Holz von Bäumen gewonnen, der Gerbstoffanteil des Holzes beträgt ca. 20%.
  • Tara (Caesalpinia spinosa)
    ist ein Pflanzengerbstoff aus Peru und Indien. Der Tarabaum oder -strauch wächst vorwiegend wild, der Gerbstoff ist in den Hülsen der Früchte bzw. in den Fruchtschoten enthalten und mit 50% Gerbstoffanteil recht hoch. Der Tara-Gerbstoff erzeugt ein cremefarbenes Leder, welches sich gut färben lässt und eine hohe Lichtechtheit besitzt. Tara-gegerbte Leder können als Autopolsterleder, Schuhleder, Möbelleder oder Bekleidungsleder verwendet werden. Auch Lammfelle werden mit Tara-Gerbstoff gegerbt.
  • Valonea (Quercus macrolepis)
    ist eine mediterrane, wildwachsende Eichenart, die vorwiegend in der Türkei und in Griechenland gedeiht. Die Eichel-Fruchtbecher haben einen Gerbstoffanteil von 30% und werden meist in der Türkei von Hand gesammelt. Das Leder wird zäh und fest.
  • Gerbersumach (Rhus coriaria)
    ist eine weitere gerbstoffhaltige Pflanze, der Tanningehalt ihrer Blätter liegt bei 13-28%. Sie wächst im mediterranen und zentralasiatischen Raum und wird bis zu 1-3 m hoch. Ihre Blätter enthalten den Reizstoff Urushiol, auf den fast 25% der Weltbevölkerung allergisch reagiert.
  • Maletto
    Malettorinde hat mit mit 46 - 49 % einen außerordentlich hohen Gerbstoffanteil. Sie stammt von einer in Westaustralien vorkommenden Eukalyptusart (Eucalyptus occidentalis), die bis zu 25 Meter hoch wächst. Die Pflanze wird kaum noch genutzt, da sie sehr selten geworden ist.



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