Konservierung


Nicht alle frisch abgezogenen Tierhäute können in der Gerberei direkt verwendet werden. Ca. 30% der Häute werden dierkt verarbeitet, die verbleibenden Häute müssen zeitnah konserviert werden, um die frische Haut vor Fäulnis und Verwesung zu schützen. Bereits zwei Stunden nach der Schlachtung kann ein unkontrolliertes Bakterienwachstum einsetzen, das zu Verwesung und Fäulnis führt und die Häute dadurch unbrauchbar macht.


Es gibt verschiedene Methoden der Konservierung:


1. Salzkonservierung


Das Einsalzen ist die am häufigsten angewandte Konservierungsmethode. Sie ist eine der ältesten Techniken zur Konservierung, die ersten Hinweise stammen schon aus dem Jahr 6000 v. Chr. in China.

Die Salzkonservierung nutzt das Prinzip der Osmose. Das Salz (Natriumchlorid/NaCl) entzieht der Haut das eingelagerte Wasser. Da Bakterien Wasser für ihr Wachstum benötigen, wird ihnen somit die Lebensgrundlage entzogen. Das führt zur Haltbarmachung der Rohhäute.

Mit Salz konservierte Häute


Die gesalzenen Häute können mehrere Monate eingelagert werden und sind resistent gegen Temperaturschwankungen. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Kühlung erforderlich ist. Allerdings muss das Einsalzen sehr sorgfältig durchgeführt werden, damit an der Haut keine lokalen Fäulnisstellen entstehen. Es muss immer frisches Salz verwendet werden, das keine Verunreinigungen aufweist. Das Salz ist vergällt, d.h. es ist nicht für den Verzehr geeignet.

Man unterscheidet zwischen Nasssalzung und Trockensalzung:


Nasssalzung

Bei der Nasssalzung werden die gereinigten Häute in Gruben, Haspeln oder im Fass mit gesättigter Kochsalzlösung eingelegt. Nach dem Abtropfen werden sie nochmals mit frischem Salz eingestreut und gebündelt. Die Methode der Nasssalzung findet hauptsächlich außerhalb Europas Anwendung. 


Trockensalzung

Die gereinigte Haut wird mit der Fleischseite nach oben auf eine schräge Unterlage gelegt und großzügig mit Salz bestreut, bis sie vollständig bedeckt ist. Die gesalzenen Häute werden dann zum Trocknen gestapelt oder gerollt, damit die entstehende Salzlake ablaufen kann.


Entsalzungstrommel
Weiterverarbeitung 


Vor der Weiterverarbeitung in der Gerberei müssen die Häute wieder entsalzen werden. Dazu werden sie durch käfigartige rotierende Gittergebilde transportiert. Durch die Rotation fällt das überschüssige Salz durch die Gitterstäbe. Das in Flüssigkeit gelöste Salz der Haut wird ausgespült. 

Zum Trocknen an Hauswand aufgehängtes Leder



2. Trocknen (Trockenkonservierung)


Das Trocknen ist das einfachste und älteste Konservierungsverfahren. Die Häute werden im Freien aufgehängt oder aufgespannt und trocknen an der Luft. Dadurch wird den Mikroorganismen die für die Entwicklung erforderliche Feuchtigkeit entzogen und so die Zersetzung gestoppt. Die Häute dürfen weder der prallen Sonne noch zu hohen Temperaturen ausgesetzt sein, da dies zu irreversibler Schädigung (Verleimung) des Hautkollagens führen kann. Auch plötzlicher Regen kann den Zersetzungsprozess wieder einleiten und die Häute beginnen zu faulen.

Getrocknete Leder haben eine hohe Haltbarkeit und können sehr lange gelagert werden. Außerdem wird die Haut leichter und somit einfacher zu transportieren. Nachteil ist, dass die Haut sehr hart wird und eine aufwendige Weiche (Rückfeuchtung) in der Gerberei erfordert.

Wegen des hohen Arbeitsaufwands findet die Trockenkonservierung überwiegend in kleinen Betrieben in wärmeren Klimazonen statt. Eine vorherige Entfleischung beschleunigt die Trocknung und erhöht die Hautqualität.

3. Einfrieren


Die dritte und umkomplizierteste Methode der Konservierung ist das Einfrieren. Die frischen Häute werden in Plastik verpackt und in Kühlräumen zwischengelagert. Der Zersetzungsvorgang wird sofort gestoppt, die Haltbarkeit der Rohware ist unbegrenzt, und bei Bedarf können die Häute sofort verarbeitet werden. Die Kühlung bei bei 0 °C bis 4 °C erfolgt in der Regel unmittelbar nach der Schlachtung, da die Rohhaut rasch gekühlt werden muss. In der Regel werden Rohhäute mehrere Stunden bis Tage gekühlt. Einziger Nachteil sind die zur Kühlung benötigten Energiekosten.

In Europa gewinnt die Frischhautverarbeitung von Rohhäuten an Bedeutung. Die Rohhäute werden unmittelbar nach dem Schlachten gekühlt und mit Kühltransportern zu den Gerberen transportiert, wo sie nach wenigen Stunden weiterverarbeitet werden. Aus kürzeren Wegen ergeben sich kürzere Kühlzeiten und somit auch niedrigere Energiekosten. Außerdem werden die bei der Salzkonservierung anfallenden Salzabwässer vermieden.

Die Kühlkonservierung ist besonders geeignet für Felle (Fuchs, Marder, Biber), bei denen das Haar erhalten bleiben soll. Allerdings können einmal eingefrorene Häute oft nicht mehr gut gesalzen werden.

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