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Millen
Die Haptik ist bei Leder ein wichtiger Aspekt für die Kaufentscheidung. Wie fühlt es sich an, ist es weich, warm, natürlich? Der Kunde wünscht sich möglichst weiches Leder, sowohl bei Bekleidung, als auch bei Auto- oder Möbelleder. Das kann in der Gerberei durch verschiedene Möglichkeiten erreicht werden.
Nach dem Trocknen sind die Lederfasern in der Regel verklebt und verhärtet. Auch die Zurichtung, falls schon geschehen, trägt zu einer Verhärtung des Leders bei. Die Fasern müssen wieder weicher gemacht werden, was durch kontinuirliche Bewegung geschieht. Dadurch werden die Fasern im Leder aufgeweicht. Damit die Fasern flexibler werden, wird das Leder zuerst gleichmäßig angefeuchtet. Ein Feuchtigkeitsgehalt von ca. 23 % ist ideal. Beim Millen sind die Leder trocken oder nur leicht angefeuchtet.
In einem schmalen, rotierenden Holzfass (Walkfass/Millfass) werden die Leder über einen längeren Zeitraum (bis zu 10 Stunden) kontinuierlich bewegt. Die mechanische Beanspruchung bewirkt eine Lockerung der Lederfaser. Volumen, Weichheit und Elastizität werden gesteigert.
Je nach Ledertyp, Stärke und Walkdauer entsteht eine charakteristische Oberflächenstruktur, das sogenannte Millkorn. Das Leder wirkt dadurch lebendiger, natürlicher und hochwertiger. Im Walkfass oder Tumbler gibt es kurze Zapfen oder Stufen, die die Bewegung des Leders verstärken. Die Zapfen bewirken ein eher narbiges Leder. Die Stufen hingegen sorgen für ein weicheres und flachnarbiges Leder.
Gewalktes bzw. gemilltes Leder eignet sich vorrangig für Möbelleder, Polsterleder, Objektleder und hochwertige Lederwaren. Durch die weichere Haptik und das erhöhte Volumen lässt sich das Leder besser verarbeiten.