Zurichtung


Veredelung, Finish, Pigmentierung, Top Coat


Unter Zurichtung versteht man sämtliche Arbeitsschritte zur Veredelung der Lederoberfläche. Die Zurichtung erfolgt nach dem Gerbprozess und verleiht dem Leder sein finales Erscheinungsbild.

Hier werden Struktur, Farbe, Haptik, Glanz und Schutzeigenschaften des Leders bestimmt. Außerdem können natürliche Hautfehler wie Narben oder Insektenstiche kaschiert werden. Das geschieht durch den Auftrag einer hauchdünnen Beschichtung auf das Leder, ohne dass dabei die Optik oder Eigenschaften wie Geschmeidigkeit und Atmungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Die Zurichtung gestaltet sich je nach Lederart anders. 

Leder läuft aus der Walzenauftragsmaschine
  • Bei Rauleder wie Nubuk oder Velours wird die Oberfläche geschliffen, entstaubt und schmutz- und wasserabweisend ausgerüstet.

  • Bei Glattleder wird eine Pigmentschicht aufgebracht, die Pigmente und/oder Farbstoffe enthält. Außerdem wird Lack (Top Coat) aufgetragen, der Glanz und Oberflächengriff bestimmt. Der Auftrag erfolgt durch Gießen, Spritzen, oder Walzenauftragsmaschinen (Roller Coater) in mehreren Arbeitsschritten. Auch können zur Oberflächenveredlung mehr oder weniger dünne Folien auf das Leder aufgebügelt werden. Die einzelnen Schichten werden durch Bügeln, Prägen oder Polieren verdichtet.

Welche Arbeitsschritte umfasst die Zurichtung?

Die Arbeitsschritte der Zurichtung lassen sich in drei Phasen unterteilen:


Praegewalze
01

Mechanische Vorbehandlung


Bevor die Farbbeschichtung aufgetragen wird, muss die Oberfläche des Leders vorbereitet werden:

  • Schleifen
    Unebenheiten werden beseitigt. Bei Rauleder wird durch das Anschleifen eine Veloursoptik erzeugt.
  • Entstauben & Reinigen 
    Entfernung von Schleifrückständen und Fetten für eine optimale Haftung.
  • Prägen 
    Aufpressen einer künstlichen Narbenstruktur, falls das natürliche Bild nicht gewünscht oder beschädigt ist. 
Grafik des Schgichtaufbaus der Pigmentierung
02

Farbauftrag & Beschichtung


Im 2. Schritt erfolgt die Beschichtung des Leders.

  • Grundierung
    Die erste Schicht muss tief in die Fasern eindringen, um eine Haftbrücke für die Farbe zu bilden. Sie wird oft ein- bis zweimal dünn aufgetragen.
  • Farbauftrag / Pigmentierung
    Das Aufbringen der eigentlichen Farbschicht aus Pigmenten und Bindemitteln. Dies geschieht durch Spritzen, Gießen oder Walzen.
  • Appretur/Top Coat
    Die abschließende Schutzschicht. Sie versiegelt die Farbe, bestimmt den Glanzgrad und sorgt für Abriebfestigkeit und Wasserabweisung. 
Leder vor dem Millen
03

Nachbehandlung


Nachdem die Schichten getrocknet sind, erfolgt die abschließende Behandlung des Leders.

  • Bügeln / Pressen
    Dadurch wird die Oberfläche verdichtet und der Glanzgrad eingestellt.
  • Glanzstoßen
    Durch hohen Reibungsdruck kann ein Tiefenglanz erzeugt werden.
  • Stollen / Millen
    Mechanisches Walken, um das durch die Zurichtung eventuell hart gewordene Leder wieder weich und geschmeidig zu machen. 

Eine dickere Beschichtung führt zu einer gleichmäßigeren, belastbareren und pflegefreundlicheren Lederoberfläche. Allerdings verliert das Leder mit steigender Zurichtdicke seinen ursprünglichen Charakter. Eine hochwertige Zurichtung verleiht dem Leder eine gleichmäßige, widerstandsfähige Optik und Haptik, ohne dass es seinen Charakter verliert. Bei der Zurichtung gilt daher der Grundsatz: So wenig wie möglich, so viel wie nötig.


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